Trauer um eine Ringer-Legende

Gründungsmitglied Wladimir Chudjakow im Alter von 67 Jahren gestorben

Von Jens Burmester

Lüneburg. Die Kampfsportart Ringen war sein „Zuhause“, die Ringermatte brachte ihm viele sportliche Erfolge ein. Mit gerade einmal 22 Jahren setzte sich Wladmir Chudjakow in seiner Ringer-Karriere die goldene Krone auf: Er wurde 1974 russischer Meister im griechisch-römischen Stil, heute, 46 Jahre später verlor er den schwersten Kampf gegen ein Krebsleiden. Am Morgen des Nikolaustages 2020 schloss der sympathische Kasache für immer die Augen im Kreise seiner Familie.

Ihm hat die Lüneburger SV viel zu verdanken. Denn er hatte maßgeblichen Anteil am Erfolg der Integrationsarbeit für den Klub an der Nahtstelle zu den Stadtteilen Kaltenmoor und Neu Hagen. Er gründete zusammen mit dem damaligen Manager Viktor Mosmann und Organisationsleiter Helmut Woiski am 1. Februar 1998 die Ringerabteilung. Die LSV war somit seinerzeit der erste Verein in Stadt und Landkreis Lüneburg, der diese Sportart anbot. 20 Aussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion nahmen das Training in der Sporthalle Kaltenmoor auf. Angeleitet vom Diplom-Sportlehrer Wladimir Chudjakow (45)  stellte er ein intensives Trainingsprogramm auf die Beine: Nach Aufwärmphase und Lockerungsübungen für Arme und Beine ging es auf die 12 mal 12 Meter große Matte, im Wettkampf sind es dann neun mal neun Meter.

Die Begeisterung an dieser Sportart war enorm und so dauerte es nicht einmal ein Jahr, das der damals achtjährige Artur Neumann als erster Niedersachsen-Meister im Freistil bei der Landeseinzelmeisterschaft in Achim hervorging, dank eines engagierten Trainers namens Wladimir Chudjakow, der mit viel Einfühlungsvermögen und Fachwissen den Nachwuchs trimmte. Ihm ist es zu verdanken, das viele Pokale, Medaillen und Urkunden von Landesmeisterschaften das Vereinsheim an der Schützenstraße schmücken. Bei einem Wettkampf ging die LSV leer aus, das zog Wladimir Chudjakow den Boden unter den Füßen weg, doch er blieb standhaft und kämpfte für seinen Sport. Von den zahlreichen Wettkämpfen kam er danach stets mit einer wahren „Medaillenflut“ zurück.
Auch bei den zahlreichen Stadtteilfesten in Lüneburgs größtem Viertel Kaltenmoor mit etwa 10.000 Einwohnern war er mit seiner Abteilung vertreten und zeigte dem interessierten Publikum einen Einblick in den Ringersport. Das brachte ihm und dem Verein viele neue Mitglieder.

Wladimir Chudjakow, der 1993 nach Deutschland auswanderte und in dem heute flächenmäßig neuntgrößten Staat der Erde zwischen dem Kaspischen Meer im Westen und Altai-Gebirge im Osten gelegen aufwuchs, war auch sieben Jahre Bürgermeister seines Heimatdorfes. Anlässlich seines 60. Geburtstages 2013 erinnerte Jens Burmester, Integrationsbeauftragter der Lüneburger SV, in einer kleinen Laudatio an die Anfänge der Sparte und Chudjakows Verdienste.
Dann kam der 1. Mai 2018: Cheftrainer Wladimir Chudjakow ging nach 20 Jahren Training und Wettkämpfen aus gesundheitlichen Gründen von Bord, das Ruder übernahmen Adelina Strauch und Musa Bisultanov. Bis heute.
Am 1. Januar 2007 bis zum 30. April 2018 war er Abteilungsleiter und seit 1998 Cheftrainer. Für seine Vereinsleistungen und dem Ringen wurde ihm vom Vereinsvorsitzenden Sebastian Paepke auf der Jahreshauptversammlung am 27. April 2018 die Ehrenmitgliedschaft verliehen.

Der Vorstand und die Aktiven der Ringersparte trauern um eine Ringer-Legende und einen liebenswürdigen Menschen. Wir werden Wladimir Chudjakow ein ehrendes Gedenken bewahren !

Wladimir Chudjakow (l.) sagte 2018 Doswidanja, Adelina Strauch und Musa Bisultanov folgten ihm. Foto: A/jb
Sieger und Platzierte bei der LEM 2014 in Achim. Wladimir Chudjakow mit Pokal und Urkunde in Siegerpose. Foto: A/jb
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