Sebastian Paepke warf das Handtuch. Foto: jb

Klubchef ließ die Bombe platzen

Lüneburg. 24 Tage nach der Jahreshauptversammlung (3. September 2021) ließ Sebastian Paepke die Bombe platzen: „Ich trete vom Amt des 1. Vorsitzenden mit sofortiger Wirkung zurück. Ich bin an einem Punkt – es reicht. Meine Entscheidung fiel aus persönlichen Gründen.“ Gerade einmal drei Minuten nach Beginn der Vorstandssitzung (27. September 2021) zog der 44-jährige die Reißleine – betretene Mienen der anwesenden Vorständler im Versammlungsraum des Vereinsheimes und kurze Zeit absolute Stille. Denn mit dieser knallharten Entscheidung hatte niemand gerechnet.

Gesagt, getan: Damit der achtgrößte Stadtverein im Kreissportbund Lüneburg nicht in unruhiges Fahrwasser gerät, setzte der Vorstand einstimmig bis zur Jahreshauptversammlung im April 2022 den Ehrenvorsitzenden Manfred Schestak als kommissarischen Vorsitzenden ein. Der 78-Jährige, bereits von 1999 bis 2009 Vereinsboss, zögerte nicht lange und signalisierte seine Bereitschaft, den Verein bis zur Neuwahl des 1. Vorsitzenden mit seinem Erfahrungsschatz hilfreich zur Seite zu stehen. Schließlich hängt das Herz von „Manni“ wie ihn die Vereinskameraden respektvoll nennen seit nunmehr 68 Jahren an dem heutigen Integrationsverein an der Nahtstelle zwischen den Stadtteilen Neu Hagen und Kaltenmoor. (jb)

Manfred Schestak übernimmt das LSV-Ruder. Foto: jb

„Vergleichsweise gut durch die Krise gekommen“

Zwei Geschäftsjahre mit Minus abgeschlossen – neuer Schatzmeister Martin Yaku

Von Jens Burmester

Lüneburg. Eine beispiellose ehrenamtliche Karriere hat er hingelegt, jetzt wurde ihm die Verdienstnadel in Gold und Urkunde des Niedersächsischen Fußball-Verbandes (NFV) verliehen: Manfred Schestak, Ehrenvorsitzender der Lüneburger SV. Der auf weitere zwei Jahre wiedergewählte Vorsitzende Sebastian Paepke würdigte den 77-jährigen für sein großes Engagement seit 1954. „Du bist eine Lichtgestalt im Fußball, ein Ideal, dass es kein zweites Mal gibt. Das runde Leder hat dir sehr viel zu verdanken und als beratendes Mitglied bei den Vorstandssitzungen bist du unverzichtbar.“ Sichtlich zu Tränen gerührt, nahm Manfred Schestak auf der jüngsten Jahreshauptversammlung (3. September 2021) vor 59 stimmberechtigten Mitgliedern unter ihnen auch Oberbürgermeister Ulrich Mädge, der nach 30 Jahren letztmalig als Stadtoberhaupt noch eine flammende Rede auf den Verein hielt und Kaltenmoors Stadtteilmanager Uwe Nehring die Auszeichnung standhaft und ehrfürchtig entgegen.
Zudem betonte Ulrich Mädge (seit 30 Jahren Klubmitglied), dass er der LSV auch weiterhin die Treue hält, den Hauptwohnsitz zwar verlegt, aber Lüneburg seine zweite Heimstätte bleiben wird.

Nach diesem großen Auftritt ging LSV-Vorsitzender Sebastian Paepke zur Tagesordnung über. Zügig arbeiteten er und seine Vorstandskollegen in Zeiten der „Corona“-Pandemie die zehn Tagesordnungspunkte ab.

Das abgelaufene Vereinsjahr 2019 der Lüneburger SV verlief weitgehend in geordneten Bahnen. Die Abteilung American Football wurde Ende 2019 aufgelöst und die Zusammenarbeit mit dem SC Lüneburg als Fußball-Jugendspielgemeinschaft beendet. Die Pandemie sorgt seit Beginn vor 18 Monaten für ein Auf und Ab im heimischen Sport, von „Normalität“ ist wenig zu spüren, denn mehrere Lockdowns legten den Sport völlig lahm. Wie in den 159 Vereinen des Kreissportbundes Lüneburg (KSB) musste auch die LSV Vereinsaustritte hinnehmen, die aber gottlob wieder kompensiert werden konnten.  „Wir sind vergleichsweise gut durch die Krise gekommen und mussten nicht wie viele andere Vereine staatliche Hilfen in Anspruch nehmen. Ich danke den Klubmitgliedern, dass sie uns die Treue gehalten haben, denn nur so konnte und kann die LSV überleben“, betonte Sebastian Paepke.

Die Geschäftsjahre 2019 und 2020 schloss der achtgrößte Stadtverein im KSB mit einem Verlust in Höhe von rund 13.800 Euro (2019) und 916 Euro (2020) ab. Geschuldet sei dies unter anderem durch „Corona“. Insgesamt, unter Berücksichtigung der steuerlichen Abschreibungen, hat der Klub dennoch ordentlich gewirtschaftet.

Bei den anstehenden Wahlen gab es keine Überraschungen. Wolfgang Niewerth bleibt 2. Vorsitzender. Für den nach zehn Jahren nicht wieder kandierenden Schatzmeister Dietmar Herres wurde mehrheitlich Martin Yaku gewählt. Der 29-jährige Einkäufer eines Hamburger Handels- und Dienstleistungsunternehmens gehört dem Klub seit zwei Jahren an. Schriftführer und Pressewart bleibt weiterhin Jens Burmester, auch Sozialwartin Petra Bahlinger wurde bei je einer Gegenstimme und Enthaltung in ihrem Ehrenamt bestätigt. Der seit drei Jahren bestehende Ehrenrat mit Manfred Schestak, Rüdiger Burghardt, Steaven Jenner und Hüsa Sönmez wurde einstimmig wiedergewählt, genauso die neuen Kassenprüfer Dennis Lauterschlag und Rüdiger Burghardt. Die bisherigen Beisitzer Torsten Bahlinger, Frank Paketuris und Jens Dömeland werden auch zukünftig im Vereinsvorstand bei den verschiedenen Aufgaben mitwirken und das Gremium bei deren Arbeit entlasten.

Für 25 Jahre Vereinstreue wurden Irmtraut Busch und Gisela Münzberg (Senioren-Freizeit-Abteilung) mit einer Urkunde und der goldenen Nadel ausgezeichnet, die silberne Nadel und Urkunde (15 Jahre) gingen an Musa Bisultanov (Ringen), Anastasija Pissetski, Valeria Sablina und Evelin Waisgar (alle Aerobic & Tanzen). Tamara Zlobina (Aerobic & Tanzen und Senioren-Gymnastik) konnte aus gesundheitlichen und Edith Lüneburg (Senioren-Freizeit-Abteilung) aus privaten Gründen an der Ehrung nicht teilnehmen.

Erfreuliches wirft aber seine Schatten voraus. So wird der Schulsportplatz (A-Platz der LSV) im größten Lüneburger Stadtteil Kaltenmoor voraussichtlich ab Februar 2022 komplett saniert und bekommt eine genormte Laufbahn. Finanziert wird das Projekt aus dem Investitionspaket zur Förderung von Sportstätten des Bundes, einem Eigenanteil der Hansestadt Lüneburg und man hofft noch auf Fördermittel aus der Kreisschulbaukasse.

Ehrungsreigen auf der Jahreshauptversammlung im Versammlungsraum: Anastasija Pissetski, Valeria Sablina, Evelin Waisgar, Irmtraut Busch, Gisela Münzberg und Manfred Schestak (v. l.) werden von Sebastian Paepke (l.) im Beisein von Oberbürgermeister Ulrich Mädge geehrt. Es fehlen Edith Lüneburg, Tamara Zlobina und Musa Bisultanov. Foto: jb
Sebastian Paepke (1. Vorsitzender) und Wolfgang Niewerth (2. Vorsitzender) mit dem neuen Schatzmeister Martin Yaku und dem ehemaligen Finanzhüter Dietmar Herres (v. l.). Foto: jb
Ulrich Mädges letzter Auftritt als Oberbürgermeister bei der LSV. Foto: jb
Sebastian Paepke zeichnet Manfred Schestak (r.) mit der NFV-Verdienstnadel in Gold aus. Foto: jb
Sebastian Paepke bei seinem Jahresbericht. Foto: jb
Die Jahreshauptversammlung im Versammlungsraum ging in 95 Minuten über die Bühne. Foto: jb
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