Dauerbrenner Sportplatzsanierung: „Im Sommer wird es dann konkret“
SPD-Bundestagsabgeordneter Jakob Blankenburg zu Gast – Stefan Schuster und Jens Burmester für 50 Jahre Mitgliedschaft geehrt – Torsten Bahlinger neuer 3. Vorsitzender
Von Jens Burmester
Abergläubischen Menschen gilt Freitag der 13. als Unglückstag. Doch davon ließ sich der Vorstand der Lüneburger SV (LSV) auf der Jahreshauptversammlung nicht beeindrucken (13. März 2026). Es war ein Glückstag. Glücklicherweise konnte Vorsitzender Enis Karahan erstmals in der Vereinsgeschichte das jüngste Mitglied im Deutschen Bundestag begrüßen: Den SPD-Bundestagsabgeordneten Jakob Blankenburg, ferner Lüneburgs Stadtoberhaupt Claudia Kalisch, den Vorsitzenden des Sportausschusses im Rat der Hansestadt Thomas Dißelmeyer, Julian Afeldt (Sporthallensachbearbeiter Hansestadt Lüneburg) und Ex-Oberbürgermeister und seit 1991 LSV-Mitglied Ulrich Mädge vor 50 Mitgliedern, davon 41 Stimmberechtigte, begrüßen. Viel Herzblut legte der 42-jährige Klubchef in seine Präsentation zum Ablauf der Versammlung, anders als die standardmäßigen Abfolgen der Mitgliederversammlungen seit Bestehen der LSV vor 55 Jahren aus der Fusion Freie Sportvereinigung Lüneburg (FSL) und Hagener SV (HSV). Für alle Anwesenden sichtbar, verständlich und nachvollziehbar wurden die elf Tagesordnungspunkte im Zeitalter der Digitalisierung mit Hilfe eines Beamers veranschaulicht.
Mit Spannung lauschten die Mitglieder den Worten des 28-jährigen Jakob Blankenburg, der am 26. September 2021 das Bundestagsdirektmandat im Wahlkreis Lüchow-Dannenberg – Lüneburg mit 28,2 Prozent gewann und somit in dieser Legislaturperiode der jüngste Abgeordnete ist. Seit fünf Jahren nimmt er auch u. a. den Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion für Umwelt, Klimaschutz und nukleare Sicherheit wahr. Zudem gewann er am 23. Februar 2025 wiederum das Bundestagsdirektmandat im genannten Wahlkreis. „Ich bin froh, hier zu sein. Weil die LSV kein Verein ist, über den man einfach so redet, sondern einer, bei dem man versteht, was man meint, wenn man von Gemeinschaft spricht. Kaltenmoor ist Lüneburgs größter Stadtteil mit rund 10.000 Menschen aus etwa 80 Nationen. Ein Viertel, das geprägt ist von Vielfalt, aber auch von den Herausforderungen, die damit einhergehen. Genau hier ist die LSV seit 1998 aktiv, mit einem Integrationsangebot, das weit über Sport hinausgeht.“ Für Jakob Blankenburg ist die LSV ein Teil des gesellschaftlichen Lebens in Kaltenmoor und Neu Hagen. „Man hilft einander nicht nur auf der Matte, sondern auch bei Behördengängen und Vorstellungsgesprächen. Das ist gelebte Integration, nicht als Programm, sondern als Haltung“, betonte der Sozialdemokrat und ergänzt: „Dass diese Arbeit weit über Lüneburg hinaus wahrgenommen wird, zeigt die Niedersächsische Sportmedaille, die der Verein vor einigen Jahren für seine beispielhafte Vereinsarbeit erhalten hat. Und die ist für mich als Politiker auch eine Verpflichtung. Wer solche Arbeit leistet darf auf Unterstützung zählen.“ Stichwort Kunstrasenplatz. Für Jakob Blankenburg ein Aufatmen, dass endlich Bewegung in die Sache kommt. „Die Hansestadt hat über den SPD-Antrag im Stadtrat den Weg für die Beantragung im Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ geebnet. „Ich setze mich mit Nachdruck dafür ein, dass euer Projekt zu den geförderten gehört. Ihr habt die stärksten Argumente auf eurer Seite: Sozialer Stadtteil, nachgewiesene Integrationsarbeit, marode Infrarstruktur, ein Verein, der liefert.“ Auch das Thema Schwimmen beschäftigt den 28-Jährigen Politiker. Dabei wies er auf fehlende Hallenzeiten hin. Er machte deutlich, dass es nicht an Nachfrage fehle, sondern weil die Infrarstruktur nicht vorhanden ist. Das zieht Konsequenzen nach sich: Weniger Schwimmunterricht, weniger sichere Kinder und weniger Möglichkeiten für Vereine wie die LSV. „Deshalb haben wir im Kreistag beantragt und beschlossen, eine Machbarkeitsstudie für den Neubau einer Schwimmhalle im Landkreis zu beauftragen. Ein erster, notwendiger Schritt. Aber es ist der richtige“, so der Bundestagsabgeordnete.
In seinem Jahresbericht machte Vereinsvorsitzender Enis Karahan deutlich, dass 2025 ein Jahr wichtiger Entscheidungen war. „Wirtschaftliche Unsicherheiten, ein schwierigeres Umfeld und eine spürbare Zurückhaltung bei Sponsoren haben uns gefordert. Trotzdem haben wir unseren Weg konsequent fortgesetzt – mit klaren Zielen und mit dem festen Willen, unseren Verein zukunftsfähig aufzustellen. Im Leben und im Sport gibt es einen einfachen Satz: Action speaks louder than words (Taten sagen mehr als Worte).“ Ein zentraler Baustein dabei ist die Jugendarbeit. „Wir wollen junge Talente fördern, sie für den Sport begeistern und ihnen zeigen, dass sich Einsatz und Leistungsbereitschaft lohnen. Sport vermittelt Werte wie Disziplin, Fairness und Teamgeist“, so Enis Karahan. Für ihn ist es umso wichtiger, den Sport an der Basis zu stärken, wenn man langfristig erfolgreich bleiben möchte. Der Klubvorsitzende: „Wenn man sich unser Umfeld anschaut, Sportplätze, Halle, Schwimmen, Schule und Kitas in unmittelbarer Nähe, erkennt man sofort das Potential. Dieser Standort ist prädestiniert dafür, ein starker Mittelpunkt für Nachwuchs- und Jugendarbeit zu sein.“ Nicht zu vergessen, dass der Integrationsverein LSV auch vor strukturellen Herausforderungen steht. Einige Vereine können beispielsweise durch Hallenturniere zusätzliche Einnahmen generieren – Möglichkeiten die für die LSV nicht umsetzbar ist. „Deshalb ist es wichtig, dass solche Unterschiede bei der Förderung berücksichtigt werden, damit Vereine wie unserer langfristig stabile Strukturen aufbauen können. Es geht in der heutigen Zeit nicht darum, immer größer zu werden, sondern Stabilität und Beständigkeit zu schaffen. Und die wichtigste Säule dafür seid ihr“, betonte das Vereinsoberhaupt. An die Politik richtete Enis Karahan den Appell für größere Infrarstrukturprojekte benötige man auch die Unterstützung der Hansestadt sowie Förderprogramme und Partner. „Wenn wir die Plätze und Anlagen nicht dauerhaft gut unterhalten können, gefährdet das die Zukunft des Vereins. Was würde es die Stadt kosten, wenn es den Verein nicht mehr gäbe ?“
Damit wären wir beim Dauerbrenner „Sportplatzsanierung“. Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch (Bündnis 90 Die Grünen) machte in Anlehnung an die Kommunalwahl am 13. September dem Integrationsverein zwar Mut an der Umsetzung nicht zu zweifeln, doch seit sechs Jahren dümpelt der 476 Mitglieder zählende Verein im Ungewissen. Die 54-jährige oberste politische Repräsentantin und Verwaltungsleiterin der Hansestadt betonte in ihrer Rede, dass die LSV eine enorm wichtige und integrative Arbeit, für den Sport, für die Nachwuchsförderung und für das gemeinsame Miteinander im Stadtteil leistet. „Die langersehnte Sportplatzsanierung ist gestartet. Ich weiß, es war Geduld gefragt, aber es wird nun konkret und sichtbar. Der Planungsauftrag für den Kunstrasenplatz ist an das Büro eines Osnabrücker Landschaftsarchitekten vergeben. Die Planungen werden natürlich zwischen Verwaltung und Verein eng abgestimmt. Mir ist es wichtig, dass es eine planerische Umsetzung gibt, die im Konsens erzielt wurde. Bei allen Schritten nehmen wir den Verein mit“, betonte Claudia Kalisch. Sie machte aber auch deutlich, dass im nächsten Schritt noch eine Kampfmittelsondierung erfolgt, da ein Teil des neuen Kunstrasenfeldes sich in einem ehemaligen militärisch genutzten Bereich befindet. Die Bodengrunduntersuchung soll in der 14. oder 15. Kalenderwoche stattfinden. „Im Sommer wird es dann konkret“, versprach Lüneburgs Stadtoberhaupt. Also voraussichtlich im August rollen die Bagger an, dies habe aber auch eine Kehrseite. Nach den Sommerferien (2. Juli bis 12. August) muss der Spielbetrieb auf dem B- / C-Platz eingestellt werden. Die Frage: Wo kann man alternativ ab Sommer trainieren ? Claudia Kalisch: „Ist in Klärung im Sportreferat. Die Fertigstellung ist für diesen Winter geplant, je nach Witterung eventuell auch Frühjahr 2027“. Das Ziel der städtischen Behörde ist, gemeinsam mit der LSV qualitativ hochwertige, nachhaltig gute Plätze für den Sport beim Integrationsklub und in der Hansestadt zu schaffen.
Des weiteren ging das Vereinsoberhaupt auch auf das letztjährige Sportjahr ein. „Unsere LSV war nicht nur in Bewegung, sie war teilweise sogar richtig schnell unterwegs.“ Dabei lobte er die starke Geschichte der 1. Fußballherrenmannschaft. Enis Karahan: „Aktuell steht das Team auf Tabellenplatz vier in der Bezirksliga. Damit stellt die LSV die zweitbeste Lüneburger Mannschaft in dieser Liga und gehört insgesamt zu den vier besten Teams im Raum Lüneburg. Das ist eine großartige Entwicklung und eine wirklich starke Leistung unserer ersten Herren.“ Auch lobte der Klubchef die Lauf-Events auf der 400-m-Rundlaufbahn. „400 Meter sehen von außen deutlich kürzer aus als von innen.“ Auch in anderen Sparten war einiges los. Die Schwimmabteilung war beispielsweise beim 12-Stunden-Schwimmen in Rosche (Landkreis Uelzen) stark vertreten. „Ausdauer, Teamgeist und jede Menge Vereinspräsenz wurde gezeigt“, freute sich Enis Karahan. Für den Vorsitzenden lebt die LSV von seiner Vielfalt, ob Fußball, Tischtennis, Laufen, Tanzen, Ringen, Schwimmen oder andere Sparten. „Überall wird trainiert, geschwitzt, gelacht und manchmal auch geflucht – meistens über den eigenen Muskelkater. Wir müssen auch ehrlich sagen: Sportlich läuft es aktuell besser als finanziell.“
Steuerberater Holger Wozny machte in seinem Finanzbericht für Kassenwart Artur Merkosyan deutlich, dass das Geschäftsjahr 2025 mit einem Verlust von 2.121,43 € ab. Die steuerlichen Abschreibungen auf das Anlagevermögen betragen 16.553,00 €, das Umlaufvermögen beläuft sich auf 16.225,73 €. Besonders erfreulich: Die Vereinsbeiträge sind von 48.889,22 € auf 57.294,55 € gestiegen. „Der Verein hat gut gewirtschaftet. Allerdings kann er keine großen Sprünge machen“, hob der Steuerrevisor hervor.
Eine besondere Auszeichnung konnte Vereinsvorsitzender Enis Karahan vornehmen. Für 50 Jahre treue und engagierte Mitgliedschaft wurden Stefan „Peppi“ Schuster und Jens Burmester mit einer Ehrenurkunde ausgezeichnet. Dabei ging der Klubchef insbesondere auf die Tischtennissparte ein, die in diesem Jahr vor 52 Jahren gegründet wurde. „Jens hat die Tischtennisabteilung unglaubliche 26 Jahre lang als Abteilungsleiter geprägt und aufgebaut. Mit großem Engagement, viel Herzblut und unermüdlichen Einsatz hat er über viele Jahre den Spielbetrieb organisiert, Mannschaften betreut und die Abteilung zusammengehalten. Damit ist er zu einem echten Stützpfeiler unseres Vereins geworden. Aus privaten Gründen hat Jens dieses Amt nun abgegeben. Aber sein Einsatz über mehr als ein Vierteljahrhundert verdient unserem größten Dank und Respekt“, würdigte der Klubchef den 66-Jährigen. Laufabteilungsleiter Dennis Lauterschlag und Jürgen Kubisch von der Senioren-Freizeit-Sparte nahmen die silberne Ehrennadel für 15 Jahre Vereinstreue entgegen. Bei den Wahlen zum Vorstand legte Dennis Lauterschlag sein Ehrenamt als 3. Vorsitzender aus persönlichen Gründen nieder und wechselte zum Beisitzer, während Torsten Bahlinger als Beisitzer nun mehrheitlich zum 3. Vorsitzenden gewählt wurde. Dem Ehrenrat gehören jetzt die Ehrenvorsitzenden Manfred Schestak und Ralf Pagels sowie Thomas Burghardt und Hüsa Sönmez an. Sozialwartin bleibt nach acht Jahren weiterhin für drei Jahre Petra Bahlinger. Pressewart Jens Burmester trat nach nunmehr 38 Jahren zurück. Ein Nachfolger wurde nicht gefunden, das Ehrenamt bleibt vorerst unbesetzt. Als neuer Kassenprüfer fungiert für zwei Jahre Stefan Schuster. Jens Dömeland setzt auch nach sieben Jahren als Beisitzer im Vorstand diese Funktion für weitere drei Jahre fort. Kurzfristig mussten die anwesenden Mitglieder einen neuen Kassenwart wählen. Für den aus zeitlichen Gründen zurückgetretenen Artur Merkosyan (seit 19. April 2024) übernimmt Oleg Lich aus der Fußballabteilung die Finanzgeschäfte des Vereins. Der 37-jährige Berufssoldat wurde mehrheitlich gewählt.
Im Rahmen der Sportplatzsanierung ist es für die Zukunft notwendig, weitere Maßnahmen unter Berücksichtigung der Kosten am Vereinsgelände in einer Übersicht darzustellen:
Info: Verantwortung und Unterstützung wichtige Faktoren (bitte anklicken)















