Fehlender Nachwuchs birgt enorme Risiken für Stadtteilarbeit – Erfolgreiches Gespräch um die Sportplatzsanierung
Die katastrophale Platzsituation auf dem Vereinsgelände des Integrationsvereins Lüneburger SV (LSV) ist dem aktuellen Vorstand seit Jahren ein Dorn im Auge. Seit mehr als sechs Jahren dümpelte der aktuell 476 Mitglieder (Stand: 7. Februar 2026) zählende Verein an der Schützenstraße 31 ohne zählbaren Erfolg durch die Verantwortlichen der Hansestadt Lüneburg im Ungewissen. „Wir haben viel Geduld und Verständnis für die notwendigen Planungs- und Bauprozesse aufgebracht. Der erste Bauabschnitt (A-Platz | Schulsportplatz Kaltenmoor) konnte abgeschlossen werden, jedoch wurde uns zugesichert, dass sich daran unverzüglich der zweite Abschnitt mit Stehtraverse und Übungsplätzen anschließen werde. Diese Zusage ist bis heute nicht eingelöst“, ärgerte sich seinerzeit Vereinsvorsitzender Enis Karahan. Einen Monat nach der Jahreshauptversammlung (13. März 2026) kann die Vereinsleitung der LSV endlich aufatmen: Die Sportplatzsanierung ist nach einem gelungenen Gespräch am 13. April 2026 zwischen Hansestadt Lüneburg und Integrationsverein endlich unter Dach und Fach. Es geht somit voran. Die Ungewissheit hat ein Ende.
Rückblick
Der Vorstand fordert die städtische Verwaltung auf, die Sanierungsarbeiten an den Sportplätzen verbindlich zu konkretisieren. Klubchef Enis Karahan hatte am 12. September 2025 einen sog. „Brandbrief“ ans Rathaus gesendet und erwartet eine klare und verbindliche Rückmeldung bis zum 1. November zu folgenden Punkten: 1. Wann beginnen die Arbeiten am zweiten Bauabschnitt ? 2. Sind die Ergebnisse der Probebohrungen ausgewertet und welche Konsequenzen ergeben sich daraus ? 3. Wie sieht der Zeitplan für Ausschreibung, Bau und Fertigstellung aus ? 4. Bis wann ist der Abschluss der gesamten Sanierungsarbeiten vorgesehen ? Auch wurden der Vorsitzende Kreissportbundes Lüneburg Philipp Meyn, der Sportbeirat um ihren im Mai 2025 gewählten Sprecher Jens Niemann und die Mitglieder des Sportausschusses im Rat der Hansestadt über das Schreiben des Vereinsvorsitzenden benachrichtigt. Apropos Sportausschuss: Am Dienstag, 23. September, erfolgte die Wahl eines neuen Vorsitzenden im Sportausschuss des Rates der Hansestadt Lüneburg für den zurückgetretenen Uwe Nehring (SPD). Sein Name: Thomas Dißelmeyer von der SPD-Fraktion.
Des weiteren beschäftigt die Vereinsleitung auch die desaströsen Trainingsbedingungen. Sie gefährden über kurz oder lang nicht nur den Fortbestand des siebentgrößten Stadtvereins im Kreissportbund Lüneburg (KSB) sondern auch das Sport- und Freizeitangebot in den Stadtteilen Kaltenmoor und Neu Hagen. Das Prekäre: Kinder und Jugendliche haben momentan keine adäquaten Plätze, dadurch ist der Mitgliederschwund nicht mehr aufzuhalten und last but not least sorgt fehlender Nachwuchs für empfindliche Nachteile für die Stadtteilarbeit. Daher fordert die LSV von der Hansestadt für die Übergangsphase eine nicht unerhebliche Summe als Entschädigungsaufwendung pro Quartal, um die Kosten für Trainingsplatzverlegungen, entgangene Mitgliedsbeiträge und ausbleibenden Mitgliederzuwachse auszugleichen. Ein großes Ärgernis im Vereinsvorstand ist der holprige, gefährliche und unfallträchtige Weg (Baustraße) vom Vereinsheim (Umkleidekabinen) bis zum A-Platz. Da die LSV die Verkehrssicherheitspflicht trägt, ist diese verheerende Lage nicht mehr zumutbar.
Die Vorstandsetage der Lüneburger SV ist nach der jüngsten Sportausschuss-Sitzung der Hansestadt im Sportpark Kreideberg (27. November 2025) voller Hoffnung. Denn bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt. Die Hansestadt Lüneburg plant Kunstrasen auf dem LSV-Areal zu realisieren. Voraussetzung dafür ist, dass der Rat der Hansestadt bis spätestens 15. Januar 2026 eine sog. Interessensbekundung für das Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ (SKS) auf den Weg bringt. Wie aus gewöhnlich gut informierten Kreisen zu erfahren ist, muss die Stadt bis zu diesem Zeitpunkt den Antrag auf Fördermittel beantragt haben und letztendlich auch das Geld erhalten. Grundlage war ein Antrag der SPD-Fraktion vom 28. Oktober 2025, dieses Konzept zu nutzen. Die Verwaltung gab dazu grünes Licht. Vier Projekte sind für dieses Programm vorgesehen, darunter die Sportplatzsanierung Lüneburger SV. Denn die LSV ist der einzige Integrationsverein zwischen den Stadtteilen Kaltenmoor und Neu Hagen und somit eine wichtige, unentbehrliche Anlaufstelle für Kinder und Jugendliche, um ihren Sport auszuüben. Im zweiten Abschnitt muss geprüft werden, wie die Flächen größentechnisch gestaltet werden können. Frühestens im Mai / Juni 2026 könnten voraussichtlich die Bagger rollen. Das würde bedeuten, der Kunstrasen wäre schnell fertig und sofort bespielbar, aber erst 2027. Ziel sei es, zwei Plätze umzusetzen. Allerdings gibt es einen Haken: Es wird arealmäßig sehr eng. Warten wir es ab. Außerdem soll auch die marode Tribüne noch ausgebaut werden.
Der „Brandbrief“ des Vereinsvorsitzenden Enis Karahan an die Hansestadt Lüneburg wegen nicht eingelöster Zusagen aufgrund der verheerenden Platzsituation hat in der Verwaltung offensichtlich Spuren hinterlassen. Nachdem die LSV-Vorstandsetage der Behörde bis 1. November um eine aussagekräftige, verbindliche und schriftliche Rückmeldung gebeten hatte, dauerte es gerade einmal 17 Tage bis seitens der Verwaltung ein Gesprächstermin zustande kam. Am 29. September 2025 saßen LSV und Hansestadt an einem Tisch. „Es war teilweise sehr schwierig, da die Verantwortlichen nicht begeistert von meinem Brief waren. Kurzum: Das Schreiben stieß sauer auf. Doch nach intensiver Diskussion fand man zueinander. Wir haben inzwischen eine vertrauensvolle Basis geschaffen“, so Enis Karahan.
Da das Platzareal für Geothermie-Nutzung nach den Probebohrungen nicht geeignet ist, machte Stadtkämmerer, Sport- und Kulturdezernent Matthias Rink dem Vereinschef des siebentgrößten Stadtvereins im Kreissportbund Lüneburg (KSB) das Wort „Kunstrasenplatz“ schmackhaft. Fällt die Entscheidung gegen Kunstrasen so ist die Fertigstellung der Plätze voraussichtlich für August 2026 seitens der Verwaltung vorgesehen. Ob Kunst- oder Naturrasen – das Votum ist noch offen. „Bei Kunstrasen wären unsere Plätze für viele Jahre auf Top-Niveau. Es wäre auch eine enorme Aufwertung für unseren Verein und den Stadtteil Kaltenmoor. Die Pflege übernimmt die Hansestadt“, betont der LSV-Vorsitzende.
Das die Fußballabteilung seit Jahren Training und Punktspiele oftmals auf fremden Plätzen austragen müssen, ist ein unhaltbarer Zustand. Nicht zu vergessen die Nutzungsgebühr für den Integrationsverein beim gastgebenden Klub und der immense Zeitaufwand. Die Kicker sind genervt. Doch der Klubchef machte Fußballobmann Marfin Yaku Mut, dass 2026 hoffentlich alles eingetütet ist und dann im heimischen Umfeld wieder das runde Leder ohne Wenn und Aber rollt.
Apropos Kunstrasen: Es ist eine Art Kunststoffteppich, der aus synthetischen Materialien wie Polypropylen oder Polyethylen besteht. Vom Aussehen her und der Verwendung käme es einem Naturrasen gleich. Ein Blick in die Geschichte des Kunstrasens lässt sich in drei bis vier Generationen unterteilen. Um den Kunstrasen über viele Jahre aufrechtzuerhalten, ist mindestens einmal jährlich eine Grundreinigung erforderlich. Die Pflege für Kunstrasen welchen Typs im Sportbereich auch immer besteht im Aufbürsten des Platzes. Dies muss mindestens alle zwei Wochen erfolgen.
Rückschau
Der Kontakt zwischen der Hansestadt Lüneburg und dem Integrationsverein Lüneburger SV ist jüngst wieder aufgenommen worden. Vereinschef Ralf Pagels und sein 3. Vorsitzender Dennis Lauterschlag fanden sich zu einem konstruktiven Gespräch am 19. Februar 2025 mit sechs Vertretern der städtischen Behörde Am Ochsenmarkt zum Thema „Sportplatz Kaltenmoor“ ein. Seitens der Hansestadt saßen u. a. Matthias Rink (Stadtkämmerer und Sport- und Kulturdezernent), Florian Beye (Bereichsleiter Sport) und Maja Lucht (Fachbereichsleitung für Liegenschaften und Gebäudemanagement) am Tisch. Dabei wurde deutlich, dass die im August 2024 veröffentlichte Ausschreibung zur Wiederherstellung der B- und C-Plätze (inklusive Flutlicht, Stehtraversen und Strom) gestoppt wurde. Grund ist die gesetzliche Pflicht zur Prüfung der Möglichkeit einer Geothermie-Nutzung. Geothermie bezeichnet die in der Erdkruste gespeicherte Wärmeenergie und die ingenieurtechnische Nutzung und kann zum Heizen, Kühlen und zur Stromerzeugung eingesetzt werden. Seitens der Verwaltung wurde vorgeschlagen, diese Flächen auf Geothermie-Nutzung zu prüfen, wobei die Avacon die Areale mitnutzen könnte.
Falls geeignet, wird die Geothermie-Nutzung etwa ein Meter unter der Erde installiert. Der Fußballplatz bleibt darüber erhalten, ähnlich einer Fußbodenheizung. Vorteile für die LSV: B- und C-Platz werden vollständig neu aufgebaut, keine Schäden mehr durch Maulwürfe und eine neue Drainage- und Beregnungsanlage wird installiert. Nachteil: Die Bauzeit verlängert sich. Kurzfristige Maßnahmen sind eine Vorort-Begehung zur Feststellung der nächsten Schritte. Nicht zu vergessen die gedankliche Vorbereitung auf notwendige Ergänzungen wie Flutlichtanlage für die B- und C-Plätze, Toilettencontainer für den A-Platz und eine kurzfristige Herstellung des sog. „Käfigplatzes“ (kleine Grünfläche neben dem Klubheim), bevor die Probebohrungen beginnen.
Zum aktuellen Stand: Die Avacon hat die Probebohrungen am 27. Juni 2025 abgeschlossen. Diese sind nötig, um zu ermitteln, ob die Geothermie auch wirtschaftlich umsetzbar ist. Dazu Lüneburgs Stadtoberhaupt Claudia Kalisch (Bündnis 90 / Die Grünen): „Warum denken wir genau jetzt über Geothermie nach, wo doch ihre Plätze saniert werden sollen ? Ich muss dazu kurz etwas zur kommunalen Wärmeplanung sagen. Diese ist uns von Bund & Land gesetzlich vorgeschrieben, aber sie ist auch ein wichtiger Schritt, den wir als Stadt nicht nur machen müssen. Den wollen wir auch machen, um eine klimaneutrale, regionale Energieversorgung unserer Stadt zu erreichen. Nun steht die kommunale Wärmeplanung kurz vor dem Abschluss. Die Entwurfsfassung wurde jetzt im Umweltausschuss vorgestellt: Grünflächen gezielt für die Nutzung von Geothermie zu untersuchen, womit auch insbesondere Sportplätze in den Fokus geraten. Meine Zusage heute ist, dass die Sanierung ihrer Sportplätze für mich hohe Priorität hat und diese ohne Zeitverzug eingetaktet wird, sobald uns die Ergebnisse der Probebohrungen vorliegen“.
Erst danach kann festgestellt werden, ob die Fläche für Geothermie geeignet ist. Während der Probebohrungen soll der C-Platz weiterhin bespielbar bleiben, soweit es die Arbeiten zulassen. Nach den Bohrungen wird der Platz vorübergehend instandgesetzt, damit er bis zum Baubeginn der Avacon genutzt werden kann. Falls eine Geothermie-Anlage gebaut wird, soll diese bis Ende 2025 fertiggestellt sein. Erst danach kann mit dem Neubau der Plätze begonnen werden. Ein Spiel- und Trainingsbetrieb wäre frühestens ab Mitte 2026 realistisch – Verzögerungen nicht ausgeschlossen. Die Ausschreibung der Stadt muss entsprechend neu erstellt werden. Vor der Sanierung wird geprüft, ob die Fläche für Geothermie geeignet ist. Dafür sind zwei Probebohrungen geplant. Die erste Bohrung erfolgt links vom Gehweg vor dem C-Platz (Baufeld ca. 6 mal 6 Meter) und die zweite wird hinten auf dem B-Platz dicht am Zaun zur Anne-Frank-Grundschule durchgeführt. Beide Arbeiten werden so abgewickelt, dass der C-Platz unbeschädigt bleibt. Die Probebohrungen werden bis zu einer Tiefe von etwa 200 m durchgeführt. Sollte sich die Fläche als geothermiegeeignet erweisen, würden die Plätze in einem Raster abgebohrt, um eine effektive Nutzung der Erdwärme zu ermöglichen. Vom 7. bis 21. Juli 2025 erfolgten von der Neetzer Firma Sven Hansen Wasser- und Brunnenbautechnik Messungen durch eine Wärmepumpenanlage mit einer Erdsonde, um die Größe des Sondenfeldes festzulegen. Die Ergebnisse werden zeitnah veröffentlicht.
Falls es zu Verzögerungen kommt, sollten Kompromisse zur Verbesserung der Vereinsanlage angestrebt werden wie beispielsweise Anbindung des Vereinsheimes an das Geothermie-System, den Bau einer kleinen Pumpstation mit angegliederten Garagen für den Verein und die Erneuerung der Aufpflasterung zum A-Platz.
Einschätzung und Fazit: Trotz Verzögerung ergibt sich eine Chance, hochwertige, moderne Plätze zu erhalten. Der Verein muss jedoch weiterhin mit provisorischen Lösungen für etwa 1,5 Jahre umgehen. Die Hansestadt wird gebeten, verbindlichere Aussagen zu treffen, um auf der Jahreshauptversammlung (25. April) eine klare Kommunikation der Situation zu ermöglichen. Oberbürgermeisterin Claudia Kalisch war auf der Mitgliederversammlung mit Maja Lucht. Letztendlich wurde darauf hingewiesen, dass man alle Hebel in Bewegung setzt, um die Geothermie zu prüfen. Mit der Fertigstellung der beiden Plätze könnte voraussichtlich im Herbst 2026 (ohne Geothermie) oder 2027 (mit Geothermie) gerechnet werden. (jb)






