Musa Bisultanov machte kurzen Prozess

Erster Deutscher Meister der Vereinsgeschichte – bis heute 1.000 Kämpfe

Musa Bisultanov mit Goldmedaille und Urkunde als Deutscher Meister. Foto: jb

jb Lüneburg. 2013 konnte die Lüneburger SV auf ein großes Ereignis zurückblicken: 100 Jahre. Im 101. Jahr sorgt ein weiteres sportliches Highlight für Furore: Der Klub schaut auf den ersten Deutschen Meister in der Vereinsgeschichte. Sein Name: Musa Bisultanov.

16 Jahre nach der Geburtsstunde der Ringerabteilung hat der heute rund 550 Mitglieder zählende Verein in dieser Sparte wahrlich einen Meister gefunden. Der 41-Jährige holte kürzlich bei den German Masters in München-Freising im Freistil in der Gewichtsklasse bis 97 Kilogramm den Titel durch einen Schultersieg gegen Frank Burkhardt (AC Ückerath). Das Besondere: Der Kampf dauerte nicht einmal eine Minute, da lag Bisultanovs Gegner bereits auf der Matte.
Kondition, Kraft, Körperbeherrschung, Ehrgeiz, Trainingsfleiß und Disziplin sind Tugenden, die der gebürtige Tschetschene perfekt beherrscht. Der ruhige, besonnene und sympathische Athlet kam mit 14 Jahren durch seinen Onkel Alihan Bisultanov zu der Sportart Ringen. Musa Bisultanov erinnert sich: „Nach der achten Schulklasse in der Gesamtschule meines Heimatortes Katarjurt wollte ich zur Berufsschule nach Grosny, der Hauptstadt Tschetscheniens. Ich machte gerade eine Ausbildung zum Maurer. Die Sporthalle war von der Berufsschule nur knapp 30 Meter entfernt. Dort wurde eifrig gerungen. Zunächst habe ich nur zugeschaut, aber Ringen faszinierte mich plötzlich. Und als ich später nach Grosny umzog, hatte ich es auch nicht mehr soweit zum Training.“ Denn bevor Musa Bisultanov nach Grosny wechselte, trainierte er bereits dreimal die Woche jeweils zwei Stunden in Urusmartan, einem ruhigen, beschaulichen Ort, 14 Kilometer von seinem Heimatdorf entfernt gelegen. „Da ging´s immer mit dem Bus hin.

Diese Auszeichnung ist das Ergebnis jahrelanger "harter" sportlicher Arbeit. Foto: jb

Das ließ ich mir nicht nehmen. Ich musste auf die Matte.“ Der bekennende Freistiler Bisultanov war nicht zu sehr auf Pokale, Urkunden und sonstige sportliche Auszeichnungen fixiert. „Ich habe seit meinem 14. Lebensjahr bis heute etwa 1.000 Kämpfe bestritten. Wenn man gewinnt, ist die Freude zwar groß, viel wichtiger ist der Spass an dieser Sportart. Wenn man sich selbst unter Druck setzt, geht´s meist schief“, macht der Industriereiniger in einem Lüneburger Großunternehmen in seiner bescheidenden Art deutlich. Dennoch wurde er 1991 tschetschenischer Republikmeister, zwei Jahre später belegte er den dritten Platz bei einem sowjetischen Turnier in Wladikaukas, der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Nordossetien-Alanien, nahe der Grenze zu Georgien. Und nicht zuletzt wurde Musa Bisultanov im Mai 2011 erster deutscher Vizemeister im Freistil bei den 14. German Masters in Salzgitter-Bad. Dort musste sich der seit 2003 in Deutschland und heute in Adendorf lebende LSVer dem Türken Emre Yalcinkaya (KSV Eppelborn) knapp mit 2:3 Wertungspunkten geschlagen geben.

Über einen ehemaligen Kameraden und Trainer in der LSV-Ringersparte kam Musa Bisultanov vor neun Jahren zum Verein. In Anlehnung an den deutschen Spielfilm „Wenn der Vater mit dem Sohne“ ist auch sein 11-jähriger Sohn Adam seit 2013 begeisterter Mattenkämpfer und wurde im März diesen Jahres beim Frühjahrsturnier in Lübtheen Vize-Freistil-Meister in der Gewichtsklasse bis 42 Kilogramm. „Mir macht das Training mit den Kindern sehr viel Freude. Seit 2013 bin ich Co-Trainer und unterstützte Wladimir Chudjakow. Vor allem möchte ich unserem Nachwuchs meine Erfahrung weitergeben, damit der Kampf- und Kraftsport Ringen nicht ausstirbt“, ist sich Musa Bisultanov sicher.

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