Irrtum ! Dynamo lebt …

FC Dynamo Lüneburg steht für Offenheit, Integration und Migration

LSV-Chef Sebastian Paepke (l.) als Hausherr überreicht zum zehnjährigen Klubgeburtstag Dynamo-Boss Jens Niemann einen Präsentkorb. Foto: jb

Von Jens Burmester

Lüneburg. „Totgesagte leben länger“. Doch diese Redewendung war kurz nach der Geburtsstunde des FC Dynamo Lüneburg vor zehn Jahren in der alten Salzstadt Lüneburg bald vom Tisch. Zwar wetterte noch die Lokalpresse über einen kleinen Verein, der über kurz oder lang die Segel streichen wird, es machte sogar die Runde: ´Nein – Lüneburg braucht keinen weiteren Verein´. Das wird bald Geschichte sein. Doch die „Sportwelt“ in und um die damals gerade zwei Jahre neu benannte Hansestadt Lüneburg wurde eines Besseren belehrt. „Hier stehe ich – zehn Jahre nach Gründung und eigentlich hat das keiner erwartet – man hat uns zwei bis drei Jahre gegeben, so jedenfalls die einhellige Meinung im Umfeld“, freute sich Vereinspräsident Jens Niemann während der kleinen, aber feinen zehnjährigen Geburststagsfeier im Versammlungsraum des Vereinsheimes der Lüneburger SV (3. Mai 2019) – und ergänzte: „Irrtum ! Dynamo lebt …“.

Mit Pfiff und Phon feierten nun gut 65 Dynamos ausgelassen und feucht-fröhlich. Unter den Gästen weilten auch Christian Röhling (Vorsitzender NFV Kreis Heide-Wendland), Pia Steinrücke (Bildungsdezernentin Hansestadt Lüneburg) und Britta Herrschaft (Sportreferentin Hansestadt Lüneburg). Während LSV-Vize und „ehrenamtlicher“ Vereinswirt Wolfgang Niewerth ein leckeres, opulentes und mit viel Liebe gezaubertes Buffet servierte, hatte Sebastian Paepke als neugewählter 1. Vorsitzender der Lüneburger SV gleich seinen ersten offiziellen Auftritt: Feierlich überreichte er Dynamo-Präsident Jens Niemann einen wunderschönen Präsentkorb plus Geburtstagskarte, gratulierte zum Zehnjährigen und wünschte für die Zukunft ein gedeihliches Miteinander.

Dynamo-Präsident Jens Niemann freut sich über die Auszeichnung zum Ehrenvorsitzenden. Foto: jb

Ob Gründungsmitglieder, Ehemalige oder noch Aktive – alle waren gekommen oder gratulierten per Video, um ihren Präsidenten Jens Niemann nicht nur die Ehre zu erweisen, nein, sie hängen mit Herzblut an einem Verein, der noch heute voller Tatendrang und mit Leidenschaft den Umgang mit dem runden Leder ausübt. Für die Dynamo-Vorstandsetage und den etwa 70 Mitgliedern ist  das Gemeinwohl wichtiger als die Liga. Als Dank für Niemanns großes Engagement überreichte Manuel Schneider, stellvertretender Kapitän der jetzigen 1. Fußballherrenmannschaft, ihm die Plakette zum Ehrenvorsitzenden. Der zu Tränen gerührte Geehrte nahm die Auszeichnung dankend entgegen.

Der Startschuss 2009 für den FC Dynamo Lüneburg auf der Suche nach geeigneten Trainings- und Spielflächen war in Lüneburg ein Kraftakt. Unkompliziert bot kurzerhand der TSV Bardowick ihnen eine neue Bleibe an, zwei Jahre später folgte ein Neustart beim VfL Lüneburg. Dort fühlte man sich acht Jahre pudelwohl. Doch das Gelände an den Sülzwiesen wurde durch die vielen VfL-Teams und last but not least durch den LSK arg strapaziert, so dass die Rasenflächen stark in Mitleidenschaft gezogen wurden. Dynamo-Chef Jens Niemann zog die Reißleine und führte Gespräche mit der Lüneburger SV. Sowohl Niemann als auch der damalige LSV-Vorsitzende Ralf Pagels waren freundschaftlich verbunden. Und so fanden beide Klubs nach vielen intensiven Gesprächen eine zukunftsweisende Lösung.

FC Dynamo-Boss Jens Niemann baute den Verein von der Stunde Null zusammen mit seinen Gründungsmitgliedern Uwe Köller, Florian Köller, Manuel Meisterknecht, Christian Goose, Rainer Moslener, Dirk Körner und Markus Vögeding bis heute stetig weiter aus. Leidenschaft, Spaß, Toleranz und Geduld waren und sind noch heute die Attribute. Insbesondere seit der Gründung steht der Klub für Offenheit, Integration und Migration. Niemann: „Waren es in den ersten Jahren der Vereinsgeschichte eher Spieler mit türkischen oder russischen Wurzeln, änderte sich dies ab Ende 2014 immer mehr zu Aktiven aus Afghanistan, Syrien, Somalia und Irak.“ Durch das soziale Engagement in Lüneburg vieler Dynamo-Akteure konnte zahlreichen Neuankömmlingen die Teilnahme am Training und an den Spielen ermöglicht werden.

40 Spieler schlossen sich kurz nach dem 29. April 2009 (Gründungsdatum) dem FC Dynamo Lüneburg an, und man konnte mit zwei Herrenteams in die Saison 2009 / 2010 starten. Die Stadtwerke Barmstedt waren der erste Sponsor für eine komplette Erstausstattung.

Zehn Jahre FC Dynamo Lüneburg – zusammen mit der Lüneburger SV kooperieren ab dem 1. Juli nun zwei Vereine unter einem Dach. Gewinner dieser „Hochzeit“: Die Belebung und der Ausbau der Fußballsparte.

Christian Röhling (Vorsitzender NFV Kreis Heide-Wendland), Pia Steinrücke (Bildungsdezernentin Hansestadt Lüneburg), Britta Herrschaft (Sportreferentin Hansestadt Lüneburg | vorne v. l.) sowie treue Dynamo-Mitglieder während der Geburtstagsfeier im Versammlungsraum des Vereinsheimes der Lüneburger SV. Foto: jb
Menü