Falschen Ehrgeiz gezügelt

Läufer Dennis Lauterschlag akzeptiert den inneren Schweinehund – Bekennender Fast-Food-Fan

Genuss ohne Reue und schlechtes Gewissen: Dennis Lauterschlag war früher über-ehrgeizig, was weder der Gesundheit noch dem beruflichen Fortkommen gut tat. Inzwischen hat er seinen Ehrgeiz gezügelt. Foto: be

Von Andreas Safft (Landeszeitung)

Lüneburg. Krankenhaus mit 14 Jahren, verpatztes Abitur mit 20 – Dennis Lauterschlag hat leidvoll erfahren, welche Folgen falscher Ehrgeiz haben kann. „Ich sehe mich jetzt nicht mehr als Topläufer, sondern als etwas besseren Hobbysportler“, hat er inzwischen für sich entschieden. Der gebürtige Neuhäuser, inzwischen 26 Jahre alt, will über 10 Kilometer oder im Halbmarathon immer noch gern Bestzeiten laufen, auch mal einen Marathon beenden, am besten unter 2:50 Stunden. Doch alles dem Sport unterordnen, das kommt für ihn nicht in Frage: „Dafür ist mein innerer Schweinehund auch zu groß.“ Lauterschlag sitzt gemütlich bei einer Tasse mit heißer Schokolade im Café, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben. „Mir fehlt etwas, wenn ich nichts tu‘. Ich bleibe aber lieber im Warmen, wenn es kalt ist oder regnet“, gesteht der bekennende Fast-Food-Fan. Von daher will er auch gar nicht den Schleifer bei der Lüneburger SV geben, wo er mittlerweile in Personalunion Leiter der Laufabteilung, Trainer, Betreuer und Aktiver ist. Eine junge Abteilung in jeder Hinsicht. Seit zwei Jahren gibt es sie erst; die meisten Aktiven sind Schüler oder Studenten. Lauterschlag: „Viele sind in einem Alter, in dem man drei, vier Monate viel läuft und in den nächsten drei, vier Monaten gar nichts macht. Das ist okay.“

Seine Laufbahn verlief auch eher in Schüben als konstant. Sein Vater Uwe richtete auf dem heimischen Hof in Stapel südlich von Neuhaus Pfingstläufe aus. Da war der kleine Dennis schon mit vier, fünf Jahren dabei, ohne dass Papa groß nachhelfen musste. Irgendwann wurde Fußball interessanter, doch mit 14 „wollte ich unbedingt an den Crosslauf-Kreismeisterschaften teilnehmen. Die fanden in dem Jahr zum ersten Mal in Neuhaus statt.“ Lauterschlag übertrieb es mit dem Training, klappte zusammen und landete im Krankenhaus. Er stand wieder auf, wechselte zum leistungsorientierten TV Langen bei Cuxhaven. „2004, 2005 waren zwei ganz starke Jahre für mich“, erinnert er sich. Nur die Schule litt: „Die ganze Fahrerei, der Sport – das alles war zu viel für meinen Körper.“ Er rasselte durch die Abiturprüfung und musste sich auch den Traum von einer Banklehre abschminken. Sein Plan B führte ihn in die Verwaltung. Zuständig ist der 26-Jährige im Amt Neuhaus derzeit für die Bereiche Internet und Tourismus. „Ich möchte gern auch höhere Aufgaben übernehmen“, betont er, studiert daher derzeit Verwaltungsbetriebswirtschaft an der Kommunalen Hochschule für Verwaltung in Hannover, wo er jetzt unter der Woche lebt. Sein Traum ? „Irgendwann würde mich ja mal der Bürgermeister-Posten interessieren, dann aber als Parteiloser.“ Dennis Lauterschlag hängt an seiner Heimat, dem Amt Neuhaus, hat mittlerweile eine eigene Wohnung auf dem elterlichen Hof in Stapel.

„Die Familie bleibt zusammen, man hilft sich gegenseitig. Und ich bin nicht so der Stadttyp“, sagt er. Weniger sesshaft war er im sportlichen Bereich. Nach dem Kapitel Langen fand er wieder Spaß am Sport beim MTV Amelinghausen, für den Post SV Uelzen lief er zuletzt bei Meisterschaften bis hinauf zur DM. Bei den letzten Halbmarathon-Meisterschaften verpasste er trotz Hitze und Wind seine Bestmarke (1:13:53 Stunden) nur um 65 Sekunden. Nun liegt auch sein Pass bei der LSV, wo Lauterschlag „eine Kombination von Leistung und Spaß“ anbieten will. Er will in Lüneburg „etwas aufbauen, auch wenn die Anfänge sehr schwer waren und ich mir viel Ärger eingehandelt habe“. Was im Fußball gang und gebe ist, nämlich das Ansprechen von potenziellen Neuzugängen, kam in der Leichtathletik überhaupt nicht gut an. Doch Lauterschlag glaubt, dass er mit der Bündelung von Talenten in seinem Verein das Richtige macht: „Für Schüler wird in Lüneburg viel getan, für Jugendliche aber kaum noch etwas. Die wollen auch mal zusammen feiern.“ Mit 14 Leuten fuhr die Gruppe zuletzt zum Trainingslager in den Harz. Klar, dass dort nicht nur trainiert wurde.(Quelle: Landeszeitung – Ausgabe vom 17. / 18. Dezember 2011)

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