Mehr Rahmenbedingungen für organisierten Sport

Prozess Sportentwicklungsplanung der Hansestadt Lüneburg startet – Sportbeirat findet wenig Anklang

Von Jens Burmester

Lüneburg. Es ist die freiwillige Arbeitsgemeinschaft aller 57 Lüneburger Sport- und Schützenvereine: Der Lüneburger Sportbeirat. Diese Interessenvertretung, die am 24. Februar vor 41 Jahren gegründet wurde, gastierte nach 2015 zum zweiten Mal im Vereinsheim der Lüneburger SV. Beiratssprecher Uwe Walther (Präsident VfL Lüneburg) musste entsetzt mit ansehen, dass nur neun Vereins“abgeordnete“ den Weg zur LSV fanden, dank Pia Steinrücke (Bildungsdezernentin Hansestadt Lüneburg), Britta Herrschaft (Sportreferentin Hansestadt Lüneburg), Jule Grunau (Grünen-Ratsfrau im Sportausschuss der Hansestadt Lüneburg) und Jens-Peter Schultz (Ortsbürgermeister von Ochtmissen und SPD-Ratsherr Hansestadt Lüneburg), sorgte somit eine kleine, aber feine Runde im Lüneburger Sportbeirat für eine lebhafte Diskussion (3. April 2019).

Das der organisierte Sport noch mehr Rahmenbedingungen als bisher benötigt, darüber waren sich alle einig. Die Frage, wie diese aussehen sollen, darauf gab es keine Antwort. Dafür skizzierte Pia Steinrücke den in Kürze beginnenden Prozess der Sportentwicklungsplanung der Hansestadt. Dazu läuft noch bis 30. April eine Befragung zur Situation der Lüneburger Sportvereine, die unter anderem valide Daten zu den Themenbereichen Übungsleitern, Sportstätten, Nutzungszeiten in kommunalen Sporthallen oder Kooperation Schule / Verein enthält.

VfL-Geschäftsführer Thorsten Schulte machte deutlich, dass oftmals die Solidarität unter den Vereinen fehle. Daher können Bedürfnisse niemals stimmen. Hartmut Deja (Präsident MTV Treubund Lüneburg und Ex-Beiratssprecher) warnte den anwesenden Beiratsmitgliedern davor, dass sich der Sportentwicklungsplan nicht in Hallen widerspiegeln dürfe, sondern wo die Bürger sich engagieren. Da in Niedersachsen die Ehrenamtlichkeit halbiert wurde und daraus resultierend auch die Mitgliederzahlen in den Vereinen stark rückläufig sind, müsse der hiesige Sportbeirat rechtzeitig den Kontakt mit der Stadtverwaltung, den politischen Parteien und dem Sportausschuss suchen. Deshalb betonten alle Teilnehmer des Abends, sich den gesellschaftlichen Bedingungen (z. B. Digitalisierung) zu stellen und auch das Ganztagsangebot in den Schulen kritisch unter die Lupe zu nehmen. „Der Zugang zu den Schulen, insbesondere zu den Direktoren, sei äußerst schwierig“, so Thorsten Schulte.

Insbesondere die Medien sorgen in der heutigen Gesellschaft für ein gnadenloses Umdenken. Zudem seien Beruf, Privates und Sport in vielen deutschen Familien kaum unter einen Hut zu bekommen. Wurde in den vergangenen Jahren der Spitzensport (Leistungssport) rigoros gefördert, blieb der Breitensport auf der Strecke. Mit einer Qualitätsoffensive möchten viele Vereine dem entgegenwirken. Dies könne beispielsweise dadurch geschehen, dass man insbesondere junge Menschen das Sportangebot im Verein wärmstens empfiehlt und das der Klub von Gemeinschaftssinn, Teamfähigkeit und Kameradschaft lebt.

Abschließend zeigte der Lüneburger Sportbeirat Flagge, sich nicht in Wohlgefallen aufzulösen, sondern die Ärmel hochzukrempeln, die vielfältigen Aufgaben anzupacken und die bestehenden Strukturen zu festigen und auch auszubauen. Die Zusammenarbeit mit der Hansestadt Lüneburg, den Vereinen und politischen Gremien soll intensiviert werden.

Beiratssprecher Uwe Walther (l.) und die Vereinsvertreter zusammen mit Bildungsdezernentin Pia Steinrücke (oranger Schal), Sportreferentin Britta Herrschaft (hinter Steinrücke), Jule Grunau (vorne 3. v. r. | Sportausschuss) und SPD-Ratsherr Jens-Peter Schultz (2. v. l.) im Versammlungsraum der LSV. Foto: wolfgang niewerth
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