Medem-Idylle und das unheimliche Moor

49 „Oldies“ vergnügen sich zwischen Otterndorf und Ihlienworth

Bevor es ins Moor geht, nehmen die Senioren Aufstellung fürs Familienalbum. Foto: jb

Von Jens Burmester

Am 13. August 1961 ließ die damalige DDR-Führung die Berliner Mauer zementieren. An diesem 13. August, allerdings 53 Jahre später, starteten 49 „Oldies“ der Senioren-Freizeit-Abteilung zu ihrer vorletzten Tagesfahrt 2014. Von diesem dunklen Kapitel deutsch-deutscher Geschichte ließen sich die Senioren nicht entmutigen, vielmehr freuten sie sich auf den 13. August 2014, einem warmen Tag, bei angenehmen Temperaturen um 22 Grad Celsius. Das Ziel: Otterndorf, eine rund 7.000 Einwohner zählende Kleinstadt, etwa 17 Kilometer vor Niedersachsens nördlichster Stadt Cuxhaven gelegen mit anschließender Schifffahrt.

Die Chronologie dieser Reise:

Wie immer meint es Petrus mit den Senioren gut. Egal welche Fahrt, das Wetter stimmt. Und so soll´s auch sein. Mit dem Betzendorfer Busunternehmen Jens Heuer geht es um 7.33 Uhr los. Was bis dahin keiner auf der Uhr hat: Diese Fahrt dauert rund 14 Stunden, das ist auch die Ausnahme wie Fritz Juschkus vom Organisations-Team verkündet. Dafür werden die „Oldies“ mit einem erlebnisreichen Ausflug und Grand-Wetter entschädigt. Kein Murren in den Busreihen, im Gegenteil: Applaus für Marlies Gienke, Fritz Juschkus und Manfred Schwenk, dass sie wieder einmal einen Tagestrip auf die Beine gestellt haben, der sich wahrlich sehen lassen kann. Klaus Witte, ein erfahrener, geschätzter und umsichtiger Busfahrer, der jetzt etwa zwei Jahre für die Senioren-Freizeit-Abteilung den Reisebus sicher durch die Lande steuert, begrüßt die Gäste an Bord. Mit dabei seine Frau Annegret, die für den Bordservice zuständig ist und beim Zwischenstopp in Neukloster-Hedendorf die Touristen mit frischem Kaffee und anderen Getränken versorgt. Nach dem „Auftanken“ fahren wir weiter auf der B 73, schwenken kurz auf die A 26 bis Stade-Süd und folgen wiederum den Hinweistafeln auf der B 73. Um 10.25 Uhr erreichen wir das erste Ziel: Das Nordseebad Otterndorf.

Und los geht´s vom Vereinsheim im schmucken Reisebus. Foto: jb
Kaffeepause in Neukloster-Hedendorf. Foto: jb
Kapiätn Klaus Hagenah kennt die Medem auswendig. Foto: jb
Romantik pur während der Medemfahrt. Foto: jb

Dort beginnt die gut zweieinviertel Stunde dauernde Schifffstour nach Ihlienworth. Um 10.35 Uhr heißt es: „Leinen los“. Über die Medem, einem 16 Kilometer langen Fluss, der bei Otterndorf in die Elbe mündet, fährt das 18 Meter lange und rund fünf Meter breite Passagierschiff MS „Onkel Heinz“ durch 70 Flusswindungen. Sicher steuert Kapitän Jörg Hagenah das 27 Jahre alte Wasserfahrzeug durch die malerische und idyllische Medem-Landschaft. Dabei begleiten uns einige Kraniche, die am Ufer Ausschau nach Beute halten. Entweder unter oder auf dem Schiffsdeck lassen die LSVer ihre Seele bei Flüssigem baumeln und genießen das Ambiente. Gegen 12.45 Uhr dann „Land in Sicht“. Am Ihlienworther Schöpfwerk, das 1928 / 29 erbaut wurde und rund 20.000 Liter Wasser pro Sekunde befördert, legen wir nur wenige Meter davon entfernt an. Dort endet die romantische Medemfahrt. Ihlienworth ist erreicht, ein 1.300 Einwohner zählender Ferienort zwischen Otterndorf und Bad Bederkesa macht auf sich aufmerksam: 875 Jahre Gemeindejubiläum. Die Dorfbewohner haben ihre Häuser und Grundstücke für das große Fest herausgeputzt.

Ungläubig schauen wir uns an, als es heißt: Wir fahren mit der Straßenbahn. Ein Scherz ? Der „Fliegende Sietländer“, eine Oldtimer-Straßenbahn, gezogen von einem Traktor, die vor mehr als 40 Jahren in Bremerhaven unterwegs war, bringt die „Oldies“ zu „Rüschs Sommergarten“, einem Restaurant, wo der Chef Peter-Wilhelm Rüsch noch selber kocht. Und das ist ihm mit Bravour gelungen. Eine leckere Filetpfanne mit Erbsen, Möhrchen, Bratkartoffeln und Pilzen und als Nachtisch Vanillepudding mit Himbeeren wird uns serviert. Und allen hat es gemundet.

Gut gestärkt fahren wir dann um 14.30 Uhr in die Nähe des rund zehn Kilometer entfernten Dorfes Wanna im Niederelbegebiet. Dort liegt zwischen Cuxhaven und Bremerhaven das 4.000 Hektar große Ahlenmoor. Es ist das größte Hochmoor im Landkreis Cuxhaven und zählt zu den größten Mooren Niedersachsens. Mit der 2005 in Betrieb genommenen Moorbahn gehen wir auf die 5,7 Kilometer lange Strecke bei sechs Kilometer pro Stunde und fahren vier Haltepunkte an. Unter fachkundiger Führung durch Karl-Heinz Schacht, der nicht nur die kleine Diesellok der Moorbahn steuert, erfahren wir Wissenswertes um den Lebensraum Hochmoor. Dabei hat Schacht auch einige kleine Döntjes auf Lager, insbesondere diesen: „Siehst du eine Hand dort winken, dann laß sie einfach sinken“. Der versierte Moorführer erklärt auch eindrucksvoll die Entstehung eines Moores und macht deutlich: „Was das Moor einmal nimmt, gibt es schlecht wieder her.“ Ein kleiner Blick in die Historie des Ahlenmoores: Durch Besiedelung, Torfabbau und Trockenlegung wurde das Moor im 20. Jahrhundert stark in Mitleidenschaft gezogen. Heute befinden sich im Ahlenmoor noch naturnahe Hochmoorreste, Tiere wie die Schlingnatter oder die giftige bis zu 90 Zentimeter lange Kreuzotter, die unvermittelt live während der Moorfahrt kurz zu sehen war, Kraniche, Birkhühner oder der Moorfrosch haben hier ihr Zuhause. Zu ihnen gesellen sich in der Pflanzenwelt Heidekraut, Pfeifen- und Wollgras, Seggen, Binsen, Blaubeere oder die Moorbirke.

Nach dieser wunderschönen Fahrt durch das unheimliche Moor nehmen wir gegen 17.30 Uhr Abschied von Ihlienworth, Ahlenmoor und dem Landkreis Cuxhaven. Es geht nach Hause, doch nicht in einem Rutsch. Wie gewohnt und traditionell darf eines nicht fehlen: Die Siebersche Sause steht an, diesmal auf dem Rastplatz „Goldbach-Süd“ an der A 27 bei Langwedel. Noch einmal werden alkohol- und alkohlfreie Getränke ausgegeben und als kleinen Imbiß belegte Brötchen gereicht.

Endlich ist es geschafft: Um 21.25 Uhr erreicht unser Bus das Vereinsheim der Lüneburger SV. Ein erlebnisreicher Tag findet ein schönes Ende, die „Oldies“ sind ein wenig ausgepowert, doch die Erinnerung überwiegt. Allen hat es prima gefallen.

Die Oldtimer-Straßenbahn wartet auf Fahrgäste. Foto: jb
Blick in das Ahlenmoor, ein Hochmoor im Landkreis Cuxhaven. Foto: jb
Gleich wird im Speisesaal die Filetpfanne gereicht. Foto: jb
Die Moorbahn schlängelt sich durchs Hochmoor. Foto: jb
Karl-Heinz Schacht (l.) erklärt den Touristen das Ahlenmoor. Foto: jb
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