Der „Kapitän“ ging von Bord

Stephanie Sommer lenkt Geschicke des Kreisschwimmverbandes Lüneburg – Dilemma im Leistungsbereich

Von Jens Burmester

Lüneburg. Die Vorstandsriege des 373 Mitglieder starken Kreisschwimmverbandes Lüneburg (KSVLG) geht erstmals seit Gründung vor 14 Jahren mit einer Frau an der Spitze dieser Dachorganisation für Schwimmer in die Zukunft. Auf der jüngsten Mitgliederversammlung (29. Oktober 2021) im Vereinsheim „Zum Treffer“ des VfL Lüneburg, dem zweitgrößten Stadtverein im Kreissportbund Lüneburg, konnte nach dem Rückzug des 59-jährigen Uwe Döring als Oberhaupt die 57-jährige Lüneburger Lehrerin Stephanie Sommer (MTV Treubund Lüneburg), zuvor vier Jahre Pressewartin des KSVLG, als Nachfolgerin einstimmig zur Vorsitzenden gewählt werden. Wegen eines Trauerfalles trat die langjährige 2. Vorsitzende Sabine Gräber-Kruzinski (MTV Treubund Lüneburg) von ihrem Amt zurück. Bis zur Jahreshauptversammlung 2022 signalisierte die ehemalige Schatzmeisterin Alexandra Bryzgalski (VfL Lüneburg) ihre Bereitschaft und wurde von den nur 12 anwesenden Delegierten kommissarisch als KSVLG-Vize eingesetzt. Auch Schriftführerin Tanja Matzke (MTV Treubund Lüneburg) nahm ihren Hut, wer sie „beerben“ wird, steht noch in den Sternen. Maija Scharffe wird weiterhin das Finanzressort leiten, neue Pressewartin ist Kristina Steep (MTV Treubund Lüneburg), Jonathan Hopp (VfL Lüneburg) übernahm die Funktion des Aktivensprechers und neue Kassenprüferin ist Sylvia Methfessel (VfL Lüneburg) zusammen mit Thomas Steep (MTV Treubund Lüneburg). Nach wie vor bleibt das Amt des Kampfrichterobmannes vakant.

In seinem letzten Jahresbericht konnte der scheidende Vorsitzende Uwe Döring die rigorosen Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie nicht verhehlen. „Zum Glück konnten wir im Februar 2020 noch die Kreishallenmeisterschaften in Lüchow durchziehen“, betonte er. Für seine Erfolge auf Landesmeisterschaften 2019 wurde Erik Steep bei der Sportlerehrung der Kinder und Jugendlichen von Hansestadt und Landkreis Lüneburg geehrt. Uwe Döring: „Alle anderen wichtigen Meisterschaften und viele Vergleichswettkämpfe fielen danach ersatzlos aus. Das fehlende Training war eine Katastrophe. Ich habe großen Respekt, wie sich Trainer und Schwimmer*innen trotzdem Möglichkeiten geschafft haben, um das Wassergefühl nicht ganz zu verlieren.“

Waren in den vier KSVLG-Vereinen (MTV Treubund Lüneburg, VfL Lüneburg, TSV Adendorf, Lüneburger SV) 2019 noch 415 Mitglieder registriert, so musste die Dachorganisation in der Mitgliederstatistik für das Jahr 2020 einen Rückgang von 42 Aktiven verzeichnen. Mitgliederstärkster Verein ist die LSV mit 127, gefolgt vom MTV Treubund Lüneburg (112), TSV Adendorf (71) und dem VfL Lüneburg (63 Mitglieder).

Völlig desaströs ist die Situation für leistungsorientierte Schwimmer*innen im Virus-Malheur – und gerade vor Beginn der Wintersaison. Ex-Vorsitzender Uwe Döring ist fassungslos: „Während es in anderen Sportarten völlig normal ist, dass nach Alters- oder Leistungsklassen trainiert wird, werden Schwimmer*innen als homogene Gruppe behandelt. Ein Verein bekommt ein bestimmtes und leider sehr geringes Kontingent an Bahnen und Trainingszeiten und muss zusehen, wie er dieses Kontingent irgendwie so aufteilt, dass jedes Leistungsniveau bedient wird. Dass dies ein Ding der Unmöglichkeit ist, liegt auf der Hand, wenn Kinder und Jugendliche zwischen etwa sieben und 20 Jahren Schwimmsport im Verein betreiben.“
Der Trainingsaufwand für leistungsorientierte Schwimmer*innen liegt durchschnittlich zehn Stunden pro Woche – in Lüneburg kaum realisierbar. Und Uwe Döring legt nach: „Einige Aktive sind bereits in zwei Vereinen Mitglied, um zumindest ansatzweise Trainingszeiten abschöpfen zu können. Dazu kommt Individualtraining, welches jedoch während der öffentlichen Badezeit stattfinden muss, und bedingt durch Interessenskonflikte mit normalen Badegästen kaum möglich und seitens des hiesigen Badbetreibers auch nicht gern gesehen wird.“
Nachdem die Vereine nach Bahnenzeiten im „Badue“ Uelzen wegen der Nichtzugehörigkeit zum Landkreis Uelzen abgeschmettert wurden, schaltete sich der Kreissportbund Lüneburg in das Schwimmdilemma ein. Und siehe da: Das „Badue“ Uelzen bietet jetzt den Schwimmfreunden aus Lüneburg Zeiten an. Uwe Döring: „Die Kostenfrage ist noch nicht geklärt, ebenso Fahrten zum und vom Trainingsort. Hier würden wir uns finanzielle Unterstützung seitens der Hansestadt oder des Landkreis Lüneburg wünschen, da die Vereine auch mit dem schon bestehenden Zusatzbeiträgen an ihre Grenzen stoßen.“

Klein, aber fein: Die Mitgliederversammlung des KSVLG im VfL-Vereinsheim "Zum Treffer". Foto: jb
Uwe Döring freut sich über seine Nachfolgerin Stephanie Sommer. Foto: jb
Vorsitzende Stephanie Sommer (l.) mit Tanja Matzke (Ex-Schriftführerin), Uwe Döring, Maija Scharffe (Kassenwartin), Alexandra Bryzgalski (kommissarische 2. Vorsitzende) und Sabine Gräber-Kruzinski (ehem. Vize | v. l.) Foto: jb
Das KSVLG-Frauen-Quartett mit (v. l.): Stephanie Sommer (Vorsitzende), Kristina Steep (Pressewartin), Maija Scharffe (Kassenwartin) und Alexandra Bryzgalski (kommissarische Vize). Foto: jb
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